Probewohnen im Wohnwagon “Almwagen MAX” am Tegernsee – Samstag

… nach längerem gibt es heute mal wieder etwas neues von uns:

Was neues und mal wieder was ganz anderes!

Seit dem Crowdfounding 2012 verfolge ich ja die Macher*innen des “Wohnwagon” in Österreich, habe es leider aber noch nie geschafft, mir so ein Teil mal von innen anzusehen.

Jetzt gibt es endlich die Möglichkeit, das Ding mal aus der Nähe zu begutachten und -noch besser- auch für ein paar Nächte “Probezuwohnen”. Seit 2017 steht ein Exemplar (16 Stück wurden inzwischen gebaut (Stand 2017)) am Tegernsee und ist über Airbnb zu mieten.

Das lassen wir uns nicht zweimal sagen!

Nach einem recht netten Erstkontakt mit dem Eigentümer Daniel per Mail ist es auch recht bald fix: vom 14. – 16.10.2017 werden wir Max, den Almwagen am Tegernsee bewohnen!

Ganz ungewohnt für uns… dieses mal fahren wir nicht einfach schnell zur Halle und starten unseren DAF, sondern wir packen alles, was wir brauchen in den Cactus, um uns dann auf den Weg zu unserem unserem mobilen Hotelzimmer zu machen.

Unterwegs gibt es noch einen kleinen Stopp inclusive einer kleinen Stärkung – ausnahmsweise nicht am eigenen Esstisch, sondern aus dem Kofferraum…

Dann meldet sich unser Vermieter telefonisch. Er hat noch einen anderen Termin, wir sollen schonmal einziehen und uns mit dem guten Stück vertraut machen – er meldet sich dann und erklärt mir das einzige, was nicht selbsterklärend ist: Die Trenntoilette “Separett”. Auf die bin ich ehrlich gesagt besonders gespannt, da ich ja schon eine Weile auf der Suche nach einer optimaleren Lösung bin als die Momentan bei uns verbaute.

Gegen halb zwei sind wir dann in Rottach-Egern.
Die übermittelte Adresse scheint zu einem leeren Grundstück mitten im Ort zu führen… ach nee, da steht ja was!

Der erste Anblick ist schon mal echt genial!!! Und wir stehen hier sehr Idyllisch und doch absolut zentral im Ort! Tolle Sache!

Der Schlüssel liegt auch schon für uns bereit, sogar der Sonnenschirm auf unserer Terrasse ist schon für uns vorbereitet – und den brauchen wir auch, da das Wetter sich fantastisch zu Entwickeln scheint!

Nachdem wir die Türe aufgeschlossen haben, ist es wirklich, als ob man in der “Kleinen Heimat” (dies ist der offizielle Name des Wohnwagons) ankommt.

Uns erwartet eine sehr Hochwertige, stimmige und bis ins kleinste Detail durchdachte Einrichtung und es riecht wirklich wie in einer Almhütte, nach frischem Holz und dem Ofen!

Wir fühlen uns gleich Sauwohl und genießen ein paar Stunden die Sonne in und vor unserer Behausung!

 

Später dann machen wir einen kleinen Rundgang in der unmittelbaren Umgebung, kaufen noch schnell eine Packung Kaffee und ein paar andere Kleinigkeiten und werfen einen Blick in die Neuapostolische Kirche.

Dann genießen wir noch etwas die Zeit in unserer Almhütte…

Ich verschaffe mir mal einen ersten Überblick:
Das Ding ist qualitativ sehr hochwertig gebaut, mit Naturmaterialien wie Holz, die Wände sind teilweise mit Lehmputz verkleidet, was dem ganzen einen noch gemütlicheren Touch gibt und das Raumklima sehr angenehm beeinflusst. Der Hammer ist das Bad. Schöner kanns zuhause kaum sein ;-)…

Technisch ist hier auch einiges geboten. Wir sind (bis aufs Frischwasser) im Moment völlig Autark, es gibt keine Stromzufuhr – und keinen Kanalanschluss!

Das Abwasser wird sofort nach dem entstehen in die Pflanzenkläranlage auf dem Dach gepumpt, durchläuft dann einen fast 40m langen Kanal, wird durch die Pflanzen gereinigt und versickert dann unterm Fahrzeug. Das ganze ist wirklich geruchsfrei und sehr gut durchdacht!

Frischwasser kommt aus einem großen Frischwassertank, mit den beiden Pufferspeichern haben wir ca 450 Liter Wasser an Bord.

Die Warmwasserbereitung erfolgt (was mir nicht so ganz gefällt) aus den Überschüssen der Photovoltaik, mit Hilfe einer elektrischen Heizpatrone. Naja, das ginge vielleicht noch etwas besser… Gerade in der Übergangszeit reicht die Photovoltaikleistung (ca. 1,2KW) Korrektur: (3 kw) meiner Meinung nach nicht ganz fürs warme Wasser aus…

Der Clou ist der Holzofen mit Wasserführung, der bei Bedarf das Aufheizen der Puffer mittels eines Ausgeklügelten Systems übernimmt!

Herzstück der elektrischen Anlage ist ein großes Batteriesystem mit ca. 60 (?) Volt, 260 Ah, 6 kwh, daran hängt ein großer 3kw Victron – Wechselrichter. Die komplette Beleuchtung incl. Kühlschrank funktioniert mit 230 Volt, gesteuert wird das ganze (und auch die Heizung) von einer kleinen Hausautomatisierungsanlage Marke “Elektrobock”.

Gekocht wird mit einem Zweiflammigen Spirituskocher, der mich nach kurzem Test restlos überzeugt! Der wird wohl auch seinen Weg in die Planung unseres nächsten Wohnmobils finden!!

Der Hammer ist allerdings die Trenntoilette “Separett”.
Das war ja eine meiner größten Unklarheiten, wie das funktionieren kann!
Daniel, unser Vermieter, hat das bei unserem Einzug schon richtig gesagt: Eigentlich ist alles soweit Selbsterklärend, aber zur Toilette sollte man ein paar Informationen haben, um sie richtig bedienen zu können.

Im Endeffekt ist das ganze recht einfach… Man setzt sich wie bei jeder anderen Toilette auch, die festen Bestandteile werden in einem 25l – Behälter gesammelt, das flüssige geht sofort in den Abwasserkreislauf und wird in der Pflanzenkläranlage auf dem Dach mit gereinigt.

Nach dem großen Geschäft kippt man ein paar Schäufelchen Torf drüber, das wars.

Korrektur: Wir verwenden hier keinen Torf, sonder ein spezielles Terra Preta Einstreu, mit der enthaltenen Pflanzenkohle werden Gerüche gebunden und wir erzeugen mit der Toilette hochwertigste Schwarzerde!!
Danke ans Wohnwagon Team für die Info – und fürs lesen ;-).

Wenn der Behälter voll wird, entfernt man die kompostierbare Tüte und vergräbt sie, wirft sie auf den Kompost oder (wenns nicht anders geht) entsorgt sie im Müll – Fertig!

Das ganze riecht nicht, wie wir in den nächsten Tagen immer wieder bemerken werden. Zur Sicherheit gibt es aus dem Behälter ein Entlüftungsrohr nach draußen, in dem ein Lüfter bei Bedarf eingeschaltet werden kann.
In “Max” ist dieser Lüfter (wie wir am Sonntag von Daniel erfahren) mit dem normalen Badlüfter gekoppelt und läuft nur, wenn jemand das Licht einschaltet und dann noch für einige Minuten nach…

Ein absolut geniales System, das sicher seinen Einzug in unser nächstes Wohnmobil finden wird!!!

Mehr Details später…
Oder hier: https://www.wohnwagon.at/der-wohnwagon/2-das-kann-dein-wohnwagon-autarkie-2-2/

Abends treibt uns dann der Hunger aus dem Haus.

Wir wollen eigentlich ins Bräustüble in Tegernsee, merken aber recht bald, daß es hier einfach Saumäßig Voll ist… und dementsprechend laut.

Wir machen einen kleinen Abstecher ans Ufer…

… dann landen wir ein paar hundert Meter weiter im Fischerstüberl.

Deftig und eigentlich ganz lecker!

Dann schnell heim.
Für morgen früh sollte ich noch etwas heißes Wasser machen, also heize ich mal eben schnell den Ofen an…

… was dazu führt, daß wir kurze Zeit später alle Fenster aufreißen, weil wir die 30 Grad Raumtemperatur überschritten haben.

Gute Nacht!

4 Comments

  1. Ich denke, das Konzept selber ist nicht so schlecht (habe noch ein paar Kleinigkeiten im Artikel korrigiert) und auch durchaus “Ganzjahrestauglich”, wenn man die Warmwasserbereitung bevorzugt mit dem Ofen macht. Problematisch sind denke ich besonders die Übergangsjahreszeiten, wo es zum Heizen eigentlich zu warm ist, aber nicht mehr genug Sonne für den Betrieb des Überschussmanagers rein kommt…
    Zumal der Wagen nicht optimal ausgerichtet war, ich denke, man kann das doppelte an Energie raus holen, wie es während unseres Aufenthalts der Fall war…

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